Das Mondlicht im Januar

Vor ein paar Jahren trug sich folgende Geschichte zu. Auf einer Straße zwischen Zimmern und Craula fuhr ein kleines blaues Auto. Das Außenthermometer zeigte -15 C° an. Bitterkalt, wie üblich im Januar, aber Schnee lag nicht. Es war 1Uhr nachts und auf der Fahrbahn glitzerte der Reif im Mondschein. Rings herum waren Felder und eine Baumallee zu sehen und in der Ferne war ein Wald zu erkennen, auf welchen Fox und Mary zu steuerten. Sie hatten ein bestimmtes Ziel. Am Rand des Waldes angekommen, fuhren sie hinein. Bald erreichten sie eine Lichtung. Es war der Parkplatz des Hainichs. Eine große Fläche, auf welcher Kies und Schotter breit gefahren worden waren, damit Besucher aus aller Welt, die vorzugsweise nur in den wärmeren Jahreszeiten in den erholsamen Nationalpark kamen, hier ihre Autos und Reisebusse abstellen konnten. Auf der gegenüberliegenden Seite sah man ein verlassenes, altes, halb zerfallenes Haus. Ansonsten waren da nur Bäume und Sträucher. So standen sie da, in der Mitte des Stellplatzes. Es war still und ein wenig unheimlich so allein. Doch Mary fürchtete sich nicht, da sie Fox bei sich hatte. Sie waren schon seit einem Jahr zusammen. Beide wohnten noch bei ihren Eltern. Deshalb waren sie nie ganz ungestört. Jederzeit konnte jemand von den Familien ins Zimmer kommen. Also dachten sie sich, sie begeben sich hier her, um endlich mal die Zweisamkeit genießen zu können. Die Autotüren wurden verriegelt und das Fenster einen Spalt geöffnet, um Frischluft zu bekommen. Fox hatte einen tragbaren DVD- Spieler dabei. Er stellte diesen auf das Armaturenbrett und legte einen Film ein. Beide machte es sich auf der Rückbank, in eine Decke ein gekuschelt, gemütlich. Nach einer halben Stunde stockte der Film und der Player ging aus. Der Akku war leer. Mary lachte über Fox, der sich ärgerte das Gerät nicht noch einmal aufgeladen zu haben. Einige Minuten später lachte er auch darüber. Mary setzte sich auf. Fox legte seinen Kopf, mit dem Gesicht nach oben, in ihren Schoß und schloss die Augen. Sie war angenehm diese Ruhe. Und während sie sich unterhielten, öffnete er ab und an mal die Lider und schloss sie wieder. Manchmal war ihm so als hätte er draußen einen Schatten gesehen. Aber wer sollte sich denn um diese Zeit hier herum treiben? Beim Ankommen hatten sie kein Auto weit und breit gesehen und der nächste Ort war fünf Kilometer entfernt. Er hielt es für unwahrscheinlich, dass jemand bei der Kälte und des nachts einen Spaziergang hier her unternehmen würde. Also kümmerte er sich nicht weiter darum. Doch plötzlich bewegte sich ein dunkler Umriss, direkt hinter der Heckscheibe. Fox zuckte zusammen und fragte Mary, ob sie auch etwas gesehen hatte. Denn es konnte ja sein, dass er es sich nur einbildete. Sie bestätigte auch etwas gesehen zu haben. Beide waren starr vor Angst. Ein kalter Schauer durch-fuhr ihre Körper. Tausend Gedanken schossen ihnen durch die Köpfe. Was hatten sie gesehen? Fox richtete sich langsam und am ganzen Leib zitternd, auf und sah sich um. Da erblickte er eine Gestalt, die neben der rechten C- Säule des Autos stand. Wieder zuckte er zusammen, als ob ihm ein Stromschlag verpasst wurde. Er riss die Augen weit auf und sein Herz hämmerte ihm gegen die Brust. Mary klammerte sich an Fox´s Arm und wimmerte. Da kauerte jemand. Halb gebückt und die Arme, vor Kälte, um sich geschlungen. Die Kapuze seines Mantels weit ins Gesicht gezogen, sodass man es nicht sah. Atemwolken stießen ihm in kurzen Abständen aus dem Mund und er schwankte dabei leicht vor und zurück. Wer war das? Und was wollte er? Niemand wusste, dass die Zwei hier draußen waren. Sie konnten an nichts anderes denken, als daran dass sie gleich sterben würden. Was sollten sie nur tun? Nach dem einige Minuten, in denen sie regungslos verharrten, vergangen waren, zog Fox sein Handy aus seiner Hosentasche, aber er hatte kein Netz. Das konnte doch nicht war sein. Sie fühlten sich wie in einem schlechten Horrorfilm, welcher jedes Klischee erfüllte. Mary saß immer noch reglos da, als Fox zu ihr flüsterte, sie solle auf den Fahrersitz klettern, wenn er es ihr sagte. Doch sie war zu aufgeregt und bat ihn dies selbst zu tun. Er redete, soweit in dieser Situation möglich, ruhig auf sie ein und schließlich willigte sie ein. Langsam lehnte sich Fox vor zum Lenkrad und drückte in langen Intervallen auf die Hupe. Sein Gesicht auf die Gestalt gerichtet, sah er wie die Person ein paar Schritte zurück wich. Das war ihre Chance. Jetzt war es soweit. Mary kletterte auf Anweisung von Fox nach vorn auf den Fahrersitz. Immer noch bebend vor Angst. Während sie den Motor an ließ, wischte sie mit der rechten Hand die Frontscheibe, die beschlagen war, ein wenig frei. Dann fuhr sie ruckartig los. Sie waren fast vom Parkplatz runter, als Fox, immer noch die Augen auf die Gestalt gerichtet, sah wie diese da stand. Im nächsten Moment rannte sie dem Auto hinter her. Fox schrie Mary an, sie solle schneller fahren. Diese tat es. Sie fuhren aus dem Wald hinaus. Nach ungefähr 2 Kilometern hielten sie rechts in einer Schneise an um sich etwas zu beruhigen. Fox war ganz weiß im Gesicht und Mary war übel vor Schreck. Dann fuhren sie nach Hause. Beide konnten in dieser Nacht kein Auge zu tun. Am nächsten Morgen erzählten sie Fox´s Eltern was passiert war. Diese waren geschockt über das Erlebte der Beiden. Sie überlegten gemeinsam wer das gewesen sein könnte. Ein Jäger oder Förster vielleicht? Aber dieser hätte doch auf sich aufmerksam gemacht und wäre nicht noch hinter ihnen her gerannt. Und schon gar nicht um diese Zeit. Von den Freunden hätte es auch niemand sein können, denn sie hatten spontan den Entschluss gefasst dort hin zu fahren. Fox´s Mutter schimpfte und konnte nicht verstehen warum die Zwei überhaupt da hin gefahren waren. Ein paar Tage später, sie hatten sich wieder etwas beruhigt, kam in den Nachrichten ein Bericht über einen Mörder, der im nicht weit entfernten Gotha eine Frau erstochen hatte und seit her auf der Flucht war. Sofort schoss ihnen der Gedanke in den Sinn, dass das diese unheimliche Gestalt aus dem Hainich sein könnte, die sich dort versteckte. Aber gewiss war es nicht. Sie haben nie erfahren was es mit dieser Begegnung, in jener Nacht im Januar, auf sich hatte.


2.2.10 01:15

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